| Baranya ist das
südlichste Komitat Ungarns, das auch in seiner
naturräumlichen Beschaffenheit und Kultur von
südlichen Elementen geprägt wird. Die Fläche
des Komitates beträgt 4.487,4 km2.
Das submediterrane Klima, das jährliche
Sonnenscheindauer und die Kraft der
Sonnenstrahlung macht dieses Gebiet zur wärmsten
Region des Landes mit einer einzigartigen Flora.
Flüsse rahmen das Komitat ein - im Osten die
Donau, die den Wassertransport und die Ansiedlung
von Industriezweigen mit hohem Wasserverbrauch
ermöglicht und im Süden die Drau, deren
Aulandschaft und Ebene ein Stück unberührter
Natur darstellen. Der Großteil des 1996
entstandenen Donau-Drau Nationalparks mit einer
Fläche von 50.000 ha befindet sich auf dem
Gebiet von Baranya. Das waldreiche Mecsekgebirge
(höchste Erhebung der Zengo mit 682 m) und das
Villányer Gebirge bergen wunderschöne
Naturlandschaften. Die sanften Berghänge (um
Pécs, Mohács, Villány, Siklós) bieten
günstige Voraussetzungen für den Wein- und
Obstbau und lassen hervorragende Weintrauben und
schmackhaftes Obst heranreifen. Die Winzer von
Villány erreichen mit ihren Weinen von Jahr zu
Jahr die besten Wertungen in ganz Ungarn von der
aus angesehenen Weinexperten bestehenden
Weinbewertungskommission. Besonders bedeutend
sind die Thermal- und Heilwässer dieser Region,
deren Nutzung aber noch reichhaltige Reserven
aufweist. Harkány gilt als Mekka der
Rheumatiker" und ist mit seinem 62 °C
heißen, radioaktiven Thermalwasser seit 1823 ein
bekanntes Heilbad. Die Siedlungsstruktur von Baranya
wird von Klein- und Kleinstdörfern bestimmt.
Etwa 65% der 412.000 Menschen zählenden
Bevölkerung lebt in zehn Städten (Pécs, Bóly,
Komló, Mohács, Pécsvárad, Sásd, Sellye,
Siklós, Szentlorinc, Szigetvár), während 35%
der Bevölkerung in 292 Dörfern lebt, deren
Einwohnerzahl meistens unter 1.000 liegt.
Verwaltungssitz und Komitatshauptstadt ist Pécs
(Fünfkirchen), die auch eine Universitätstadt -
die erste Universität Ungarns wurde hier 1367
gegründet - eine wichtige Ausbildungsstätte und
ein bedeutendes wissenschaftliches, sowie
kulturelles Zentrum des Landes ist.
Die
verkehrstechnische Erschließung des Komitates
läßt noch einiges zu wünschen übrig. Der
transkontinentale Rhein-Main-Donau Wasserweg
erreicht zwar das Gebiet des Komitates aber es
gibt hier keine Autobahnen und Schnellstraßen.
Die Entwicklungsperspektiven lassen aber sowohl
im Bereich des Straßenverkehrs als auch des
Luftverkehrs (Flughafen Pécs-Pogány) erhebliche
Verbesserungen erwarten.
Die
Naturressourcen der Region (fruchtbarer Boden,
das günstige Klima, die Bodenschätze: schwarze
Steinkohle, Uranerz, Mergel, Marmor) bieten gute
Grundlagen für den Bergbau, die Bauindustrie und
die Landwirtschaft. Bereits im 19. Jh. verfügte
Baranya neben dem Bergbau über eine blühende
Wirtschaft. Hier sind vor allem die Lebensmittel-
und Holzindustrie, die Herstellung von
Musikinstrumenten, die Lederverarbeitungs- und
Keramikindustrie zu erwähnen. Das
Zsolnay-Porzellan ist weltberühmt. Infolge der
Wirtschaftspolitik in den vier Jahrzehnten nach
dem zweiten Weltkrieg war die Wirtschaftsstruktur
des Komitates vom Bergbau beherrscht, während
die traditionsreichen Zweige der Leichtindustrie
in den Hintergrund gedrängt wurden. Gegen Ende
der 80-er und im Laufe der 90-er Jahre vollzogen
sich grundlegende strukturelle Änderungen im
Bereich der Wirtschaft: der dominante Bergbau
wurde als erster von der Krise erfaßt, die
Leichtindustrie verlor ihre Märkte im Osten und
damit ihre Wirtschaftsbasis, die in- und
ausländische Wirtschaftstätigkeiten der
Bauindustrie wurden eingeschränkt und die
Landwirtschaft war ebenfalls mit vielen Problemen
konfrontiert. Vom Strukturwechsel hat vor allem
der Tertiärsektor profitiert, wo heute nahezu
die Hälfte der Beschäftigten tätig ist und die
meisten neuen Unternehmen entstehen. Sowohl die
im Zuge der Privatisierung neu gegründeten
Organisationen, als auch die mit Privatkapital
geschaffenen neuen Unternehmen suchen
Möglichkeiten der Gründung von
Joint-Venture-Unternehmen und hoffen, daß ihnen
neben dem eingebrachtem Kapital auch eine
modernere Technologie und effektivere
Arbeitsorganisation zugute kommt. Das Komitat
verfügt weiters - neben seinen bereits
erwähnten Naturschätzen - über eine gut
ausgebildete, aus verschiedenen Nationalitäten
bestehende Bevölkerung mit guten
Fremdsparchkenntnissen und gut ausgestattete
Industrieparks und ist daher für ausländische
Investoren ein interessanter Standort.
Bereits seit
langem gilt der Tourismus als erfolgreicher
Wirtschaftszweig und in Zukunft mißt man dem
Fremdenverkehr eine noch bedeutendere Rolle bei.
Dessen Basis sind neben den Naturschönheiten,
dem angenehmen Klima, den Thermalquellen mit
Heilwirkung, den hervorragenden Weinen, die
Vielfalt an Kulturgütern, die Spuren von
zweitausend Jahren menschlicher Kreativität in
Baranya. Archeologische Fundstätten, Museen und
zahlreiche Kulturdenkmäler machen diese Region
für die Touristen sehr attraktiv. In
unmittelbarer Nähe der viertürmigen Basilika,
dem Wahrzeichen der Stadt Pécs wurden vor kurzem
aus der Römerzeit stammenden frühchristliche
Grabkapellen mit antiken Wandmalereien freigelegt
und restauriert. In der Komitatshauptstadt wurde
die erste Museumstraße des Landes eröffnet, wo
sich auch das Museum von Victor Vasarely, dem
Vater der Op-art befindet.
Das Komitat und
seine Städte bieten Platz für zahlreiche
internationale Veranstaltungen: wissenschaftliche
Kongresse, Sportveranstaltungen, Festivals und
andere Kulturevents (z.B. das
Buscho-gehen", ein uralter Volksbrauch
zur Faschingszeit in Mohács, das Treffen der
Blaskapellen in Siklós, das Kinderchorfestival
in Komló, Kammerchorkonzerte und
Weinliedfestival, das Marionettentheater-Treffen
in Pécs, das Bildhauersymposium in Villány,
Nationalitäten-Festivals, usw.) locken jährlich
viele Experten und Interessenten in diese Gegend.
Baranya ist
bemüht, sich selbst in der Welt bekanntzumachen
und in Europa präsent zu sein. Das Komitat
pflegt bilaterale Kontakte mit dem
österreichischen Bundesland Steiermark, mit der
englischen Grafschaft Devon, dem Bezirk Rems-Murr
des Bundeslandes Baden-Württemberg in der BRD,
der türkischen Provinz Kütahya, der kroatischen
Region Osijek-Baranja und der polnischen
Woiwodschaft Krakau und ist Mitglied mehrerer
internationalen Organisationen, wie z.B. der
Versammlung der Regionen Europas, der ARGE
Alpen-Adria, der Arbeitsgemeinschaft der
Donauländer und der Versammlung der
Europäischen Weinbauregionen. Die Palette der
Kontakte wird weiter bereichert durch jene
Kontakte und Partnerschaften, die die Gemeinden
aus eigener Kraft oder mit Unterstützung des
Komitates mit vielen Städten und Dörfern
Europas ausgebaut haben.
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