|
Das Komitat Vas liegt im äußersten
Westen Ungarns. Diese Region blickt auf eine mehrere Tausend Jahre alte
Geschichte zurück. Archeologische Funde bezeugen, daß es hier
bereits im Neolithikum Siedlungen gab. In der Zeit der ungarischen Landnahme,
am Ende des 9. Jh.-s entwickelte sich aus der ursprünglich als römische
Castra fungierenden Vasvárer Burghauptmannschaft das spätere
Komitat (Vasvármegye). Die hier lebenden Menschen haben in den vergangenen
Jahrhunderten oft ihre Tore für west-europäische Kulturen geöffnet
und förderten dadurch die Modernisierung der Wirtschaft.
Die Grenze des Komitates bildet im
Westen als süd-westlicher Ausläufer der Alpen, das Günser
Gebirge, im Süden folgt die Grenze im großen und ganzen dem
Verlauf der Raab. Die günstige geopolitische Lage wird durch die Tatsache
unterstrichen, daß der westliche Nachbarstaat des Komitates das EU-Mitglied
Österreich und der andere Nachbar Slowenien ist. Die inneren Grenzen
verbinden Vas mit den Komitaten Veszprém, Gyor-Moson-Sopron und
Zala. Die durch die Lage bedingten Vorteile kann die Region seit dem Fall
des "eisernen Vorhanges" wieder voll nutzen.
Seine Fläche mit 3.337 km2
macht 3,6% der Gesamtfläche Ungarns aus. Die Kräfte der Natur
schufen hier eine sehr vielfältige Landschaft. Ebenen, Hügellandschaften,
Gebirgsland, vulkanische Bergkuppen und Kieshügeln wechseln sich einander
ab. An der Grenze zu Österreich befindet sich die zweithöchste
Erhebung des Landes, der Írott-ko mit 883 m. Die am niedrigsten
gelegenen Gebiete sind in Kemenesalja zu finden mit nur 128 m über
dem Meeresspiegel. Das Klima ist kontinental, wobei die westlichen Teile
niederschlagsreicher und für die Landwirtschaft günstiger sind;
vor allem Ackerbau wird betrieben und ein Drittel der Fläche wird
als Wald bewirtschaftet.
Das Komitat hat eine dichte Siedlungsstruktur
mit 216 Gemeinden; die 8 Städte liegen gleichmäßig verteilt
in der Region. Von den Städten war Koszeg (Güns) z.B. bereits
im 14. Jh. königliche Freistadt, während andere Städte auf
eine Vergangenheit als Marktgemeinde zurückblicken können. Die
Verwaltung basiert auf der örtliche Selbstverwaltungskörperschaften:
darunter sind 208 dörfliche, 7 städtische, 1 städtische
Selbstverwaltung mit Komitatsstatus und eine Komitatsselbstverwaltung.
Die Zahl der Einwohner des Komitates beträgt 272.000, was 2,7% der
Gesamtbevölkerung von Ungarn ausmacht. 2,5% der Bevölkerung gehört
nicht zur ungarischen Nationalität: Kroaten, Slowenen, Deutsche und
auch Roma in kleiner Anzahl leben hier im Frieden miteinander. Die Interessen
der Minderheiten werden von Minderheitenselbstverwaltungen vertreten.
Die Infrastruktur des Komitates ist
mittelmäßig entwickelt, wobei die Versorgung besser ist als
im Durchschnitt im ländlichen Raum Ungarns. Als bedeutender Eisenbahnknotenpunkt
mit direktem internationalen Anschluß ist Szombathely (Steinamanger)
gut erreichbar. Das Gebiet des Komitates wird zwar durch keine Autobahn
durchquert aber die Nähe zur Autobahn E59 sichert trotzdem die internationalen
Verbindungen. Hervorzuheben ist das Radwegnetz entlang der westlichen Grenze,
das in seiner endgültigen Form bis zur Adria führen wird. Der
einzige Flugplatz von Vas ist seit den 60-er Jahren nur als Sportflugplatz
in Betrieb, aber die Bestrebeungen gehen in die Richtung, daß dieser
mit entsprechenden Maßnahmen für die Abwicklung des zivilen
und privaten Luftverkehrs von West-Ungarn ausgebaut wird. Die Länge
des Straßennetzes macht zwar nur 1.500 km aus, aber die Dichte des
Netzes ist wesentlich größer als im gesamtungarischen Durchschnitt.
Die Region hat für den Fremdenverkehr
viel zu bieten und ist reich an Kunstschätzen. Die Altstadt von Koszeg
und die Burg Nádasdy in Sárvár sind Teile des nationalen
Kulturerbes. Die Grenzgebiete sind ein beliebtes Ziel für Einkaufstouristen,
die Orség (Wart) und Koszeghegyalja bieten hervorragende Möglichkeiten
für den Dorftourismus. Das Komitat ist zwar an Bodenschätzen
arm, aber es verfügt über ergiebige Thermal- und Heilwasserquellen.
In 9 Gemeinden fördern 18 ausgebaute Thermalbrunnen Wasser zutage
und weitere 47 Quellen warten noch auf ihre Nutzung. Die Heilwirkung der
Thermalwässer von Bük, Sárvár, Szombathely und
Sárvár-Rábasömjén wird auch international
geschätzt. Das Kurbad Bük - dessen Heilwasser für Therapien
rheumatischer und orthopädischer Beschwerden erfolgreich eingesetzt
wird und als Trinkkur Störungen des Verdauungssystems mildert - wird
jährlich von 800.000 in- und ausländischen Gästen aufgesucht.
Als Fremdsprache wird im Komitat von
den meisten Deutsch gelernt, aber Englisch genießt auch immer größere
Beliebtheit. Die Schulbildung der Bevölkerung und das Beschäftigungsniveau
kann als relativ hoch bezeichnet werden. Die günstige Entwicklung
im Bereich der Beschäftigung ist größtenteils darauf zurückzuführen,
daß nach der politischen Wende eine dynamische Investitionstätigkeit
einsetzte. In den Jahren zwischen 1991 und 1995 wurden Investitionsgüter
im Wert von 100 Milliarden Forint in den Betrieben eingesetzt, wovon das
ausländische Kapital einen bedeutenden Teil ausmachte. Im Zuge der
Privatisierung haben sich im Komitat Vas kapitalstarke Weltkonzerne niedergelassen,
wie z.B. Opel, Kromberg Schubert, BPW, Linde, Packard Elektric, Greiner,
Philips, Siemens und ADA. Ihre moderne Technologie und die Schaffung von
Arbeitsplätzen wirkte auf die Wirtschaft als Impulsgeber. Im Bereich
der Industrie waren voriges Jahr 160 ausländische Unternehmen registriert,
deren eingetragenes Kapital insgesamt bei über 42 Milliarden Forint
lag. Ein gutes Beispiel für weitere Erleichterungen für Betriebsgründungen
ist der im Raum Szentgotthárd errichtete grenzüberschreitende
Industriepark, der auch von der EU
gefördert wird. Darüber hinaus wurden auch im Raum Szombathely
und Sárvár Technologieparks geschaffen. Die verarbeitende
Industrie, besonders die Maschinenbautechnik spielt wirtschaftlich eine
entscheidende Rolle und liefert die Hälfte der Gesamtproduktion.
Bis 1997 entwickelte sich das Komitat
zu einer Hochburg der Auto- und Autozulieferindustrie, sowie der Elektronikindustrie,
wo Produkte im Wert von nahezu 300 Milliarden Forint erzeugt werden. Den
größten Anteil daran haben Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten.
Die Lebensmittelindustrie ist vor allem auf die Verarbeitung der heimischen
Agrarprodukte ausgerichtet; die Herstellung von Textilien, Bekleidungs-
und Lederwaren ist ebenfalls hervorzuheben.
Der Komitatssitz Szombathely hat 83.000
Einwohner und ist wichtiges kulturelles Zentrum der Region. Die vor drei
Jahrzehnten gegründete Bildungswissenschaftliche Hochschule wird in
ihrem Tätigkeitsbereich ständig erweitert und strebt den Status
einer Universität an. Zu Beginn dieses Jahrzehnts wurde hier die Hochschulausbildung
im Gesundheitsbereich, in den letzten zwei Jahren im Bereich der Informatik
aufgenommen, und als Bischofssitz wurde in Szombathely auch eine theologische
Fakultät eingerichtet. Das Komitatskrankenhaus gilt als Zentrum der
wissenschaftlichen Forschung und bekannte universitäre Ausbildungsstätte
für angehende Mediziner. Zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen
zählt die Museumsorganisation, die die historischen und siedlungsstrukturellen
Gegebenheiten des Komitates dokumentiert. Wertvolle Funde aus der Zeit
des Römischen Reiches beherbergt der Ruinengarten und das Iseum in
Szombathely. Ein ständiges Theater hat das Komitat zwar nicht, aber
für guten Ersatz sorgen die Gastvorstellungen, die Vorführungen
des Szombathelyer Marionettentheaters und die Auftritte des europaweit
bekannten Symphonieorchesters. Zu den Höhepunkten des Kulturgeschens
gehören die Veranstaltungen des Szombathelyer Frühjahrsfestivals,
des Pannonischen Herbstes und des Internationalen Bartók-Seminars
und Festivals. International gut besucht sind weiters das Folklore-Treffen
in Sárvár, das Internationale Tanzturnier Savaria und die
Internationale Textilbiennale. |